Offener Brief an die Bundesregierung

Unsere offene Gesellschaft braucht ein offenes Grundgesetz

Gegen die bundesgesetzliche Sperrung des Artikels 15 GG

227Unterzeichnende

Artikel 15 Grundgesetz

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Absatz 3 Satz 3 und 4 entsprechend.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Der Brief im Wortlaut

An die Bundesregierung

Unsere offene Gesellschaft braucht ein offenes Grundgesetz

Gegen die bundesgesetzliche Sperrung des Artikels 15 GG

Anfang Juli kündigte die Bundesregierung ein Gesetz an, das den Ländern die Kompetenz zur Vergesellschaftung privater Wohnungsbestände entziehen soll. Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin soll dieser Plan beschleunigt werden – er zielt direkt auf den Berliner Vergesellschaftungs-Volksentscheid von 2021 und soll dessen Umsetzung verhindern. Wir, die Unterzeichnenden, fordern die Bundesregierung und den Bundestag auf, Artikel 15 nicht durch ein Sperrgesetz auszuhebeln. Unabhängig von der inhaltlichen Position: Die Frage der Vergesellschaftung muss im demokratischen Prozess entschieden werden – ein Sperrgesetz verhindert genau das. Es wäre verfassungswidrig, widerspräche dem Gründungskonsens von 1949 und missachtete den Bevölkerungswillen.

1

Ein Sperrgesetz ist verfassungswidrig

Selbst die Bundesjustizministerin äußerte bereits erhebliche Zweifel an einem pauschalen Vergesellschaftungsverbot. Ein einfaches Bundesgesetz kann keine Sperrwirkung entfalten, die den Ländern die Vergesellschaftung von Wohnraum unmöglich macht – dafür müsste der Bund die Vergesellschaftung abschließend selbst regeln. Ein Rahmengesetz, das allein den Zweck verfolgt, Vergesellschaftung durch Nebenbedingungen zu erschweren oder zu verhindern, genügt dem nicht.

Auch eine Entschädigung zum Marktwert wäre nicht verfassungskonform: Sie hebelt die von den Artikeln 14 und 15 verlangte Interessenabwägung zwischen Alteigentümern und Allgemeinheit aus und widerspricht dem Umverteilungsgedanken, der Artikel 15 historisch prägt.

Ob Rahmengesetz oder Verbot – jedes Sperrgesetz würde einen Grundgesetzartikel aushebeln, ohne die dafür nötige verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat zu haben. Das widerspricht Geist und Buchstaben des Grundgesetzes, wie trickreich die Formulierung auch sein mag.

2

Ein Sperrgesetz widerspricht dem Gründungskonsens der Bundesrepublik

Das Grundgesetz entstand 1949 aus der Erfahrung des massiven Missbrauchs wirtschaftlicher Macht in der NS-Kriegswirtschaft und der Enteignung jüdischer Mitbürger:innen. Es schützt privates Eigentum, setzt seiner Nutzung aber Grenzen: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ (Art. 14).

Hier setzt Artikel 15 an: Er unterscheidet persönliches Eigentum von wirtschaftlichen Machtressourcen wie „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel“ und erlaubt deren Überführung in „Gemeineigentum oder andere Formen der Gemeinwirtschaft“.

Das Grundgesetz eröffnet damit gegenwärtigen wie zukünftigen Generationen die Möglichkeit, Teile der Wirtschaft gemeinwirtschaftlich zu organisieren – eine Offenheit, die das Bundesverfassungsgericht im Investitionshilfe-Urteil von 1954 bestätigte. Nur wenn diese Wahlmöglichkeit erhalten bleibt, kann unsere Wirtschaftsordnung Legitimität beanspruchen.

3

Ein Sperrgesetz missachtet den Bevölkerungswillen

Am 26. September 2021 stimmte in Berlin eine Mehrheit für die Vergesellschaftung der Bestände von Vermietern mit mehr als 3.000 Wohnungen – ein gültiger, verfassungskonform ermittelter Akt der Volkssouveränität.

Man kann über die Sinnhaftigkeit dieses Beschlusses streiten, wie über jede Mehrheitsentscheidung. Ihn nachträglich von höherer Ebene zu sperren, ist dennoch falsch und verletzt das Demokratieprinzip. Es signalisiert: Mehrheiten zählen nicht, wenn sie wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufen.

Schon die fünfjährige Nichtumsetzung des Volksentscheids ist problematisch – seine Sperrung wäre ein fatales Signal, das jenen Kräften nützt, die demokratische Verfahren verachten und unterlaufen. Wer Demokratie verteidigen will, muss auch unbequeme Volksentscheide respektieren.

227 Unterzeichnende

Porträt von Isabella Weber

Prof. Dr. Isabella Weber

Ökonomin, University of Massachusetts Amherst, Autorin „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“

Foto: Heike Steinweg

Porträt von Hans-Jürgen Urban

Prof. Dr. Hans-Jürgen Urban

ehem. geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall

Foto: Stephan Röhl / Heinrich-Böll-Stiftung, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Porträt von Frank Werneke

Frank Werneke

Vorsitzender ver.di

Foto: ver.di

Porträt von Carsten Burckhardt

Carsten Burckhardt

Bundesvorsitzender IG BAU

Foto: T. Seifert / IG BAU

Porträt von Isabel Feichtner

Prof. Dr. Isabel Feichtner

Rechtswissenschaftlerin, Universität Würzburg, Mitglied der Berliner Expertenkommission

Porträt von Katharina Thalbach

Katharina Thalbach

Schauspielerin

Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com), Lizenz: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Porträt von Daniela Sepehri

Daniela Sepehri

Freie Social Media Beraterin, Autorin und Journalistin

Foto: Nassim Rad

  • Dr. Frank Ahrens, Gewerkschaftssekretär
  • Dr. Freia Anders, wiss. Mitarbeiterin, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
  • Dr. Felix Axster, wiss. Mitarbeiter, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin
  • Prof. Dr. Stefan C. Aykut, Professor für Soziologie, WISO-Fakultät, Universität Hamburg
  • Prof. Dr. Kurt Bader, em. Hochschullehrer, Fachbereich Sozialwesen der Universität Lüneburg
  • Loren Balhorn, Chefredakteur Jacobin Magazin
  • Sebastian Bartels, Geschäftsführer, Berliner Mieterverein e.V.
  • Dr. Martin Beckman, Gewerkschaftssekretär, ver.di Bundesverwaltung
  • Joachim Beerhorst, IG Metall
  • Dr. Daniel Behruzi, wiss. Mitarbeiter und ver.di-Vertrauensleutesprecher TU Darmstadt
  • Prof. Dr. Bernd Belina, Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt
  • Dr. Rabea Berfelde, Centre for Social Critique, HU Berlin
  • Prof. Dr. Stefan Berger, Direktor des Instituts für Soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum
  • Prof. Dr. Sigrid Betzelt, Professur für Gesellschaftswissenschaften, Schwerpunkt Arbeit und Organisation, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR)
  • Prof. Dr. Heinz Bierbaum, Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, ehem. Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Prof. Dr. Oliver Bierhoff, Lehrgebiet Soziologie, Hochschule Bielefeld
  • PD Dr. Peter Birke, wiss. Mitarbeiter, Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen
  • Prof. Dr. Uwe H. Bittlingmayer, PH Freiburg, Soziologe und Gesundheitswissenschaftler
  • Prof. Dr. André Bleicher, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, strategisches Management und Organisation, Hochschule Biberach
  • Dr. Jacob Blumenfeld, Centre for Social Critique, HU Berlin
  • Luis Bobga, Bundessprecher Grüne Jugend
  • Ekkehard Bock-Wegener
  • Chaja Boebel, IG Metall, Ressort Grundsatzfragen und allgemeine Wirtschaftspolitik beim Vorstand
  • Nils Böhlke, Gewerkschaftssekretär, Düsseldorf
  • Matthias Böhme, Gewerkschafter, ver.di, Berlin
  • Dr. Sarah Bormann, Gewerkschaftssekretärin
  • Prof. Dr. Ulrich Brand, Internationale Politik, Universität Wien
  • Patrick von Brandt, ver.di Nds-HB FBC, Tarifsekretär Krankenhäuser
  • Prof. i. R. Dr. Peter Brandt, Historiker und Publizist, Berlin
  • Pit Bukowski, Schauspieler
  • Carsten Burckhardt, Bundesvorsitzender IG BAU
  • Dr. Mario Candeias, Politikwissenschaftler, Berlin
  • Prof. Dr. Robin Celikates, Sozialphilosophie, Freie Universität Berlin
  • Christina Clemm, Autorin, Rechtsanwältin
  • Prof. Dr. Alex Demirovic, Sozialwissenschaftler
  • Prof. Dr. Frank Deppe, Politikwissenschaftler, Marburg
  • Prof. Dr. Hans-Ulrich Deppe, Medizinsoziologe und Sozialmediziner, ehem. Direktor im Institut für Medizinische Soziologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.
  • Katja Diehl, Autorin, Moderatorin, Speakerin und Beraterin zum Thema Mobilitätswende
  • Prof. Dr. Kristina Dietz, Direktorin Merian Center of Advanced Latin American Studies (CALAS), Universität Kassel
  • Prof. Dr. Klaus Dörre, Gastprofessor für sozial-ökologische Nachhaltigkeitskonflikte, Kassel Institute for Sustainability, Universität Kassel.
  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Wiss. Theol. Seminar der Universität Heidelberg
  • Markus Dufner, Geschäftsführer Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre
  • Michael Dunst, Referent für gewerkschaftliche Vernetzung und politische Bildung
  • Armin Duttine, Gewerkschaftssekretär, Berlin
  • Till Düwel, Gewerkschaftssekretär für die kollektive Betriebs- und Tarifarbeit
  • Prof. Dr. Silke van Dyk, Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Matthias Ebenau, Gewerkschaftssekretär, Hanau-Fulda
  • Thomas Eberhardt-Köster, Mitglied Rat Attac Deutschland
  • Julia Elwing, Mitglied im Koordinierungskreis Attac Deutschland
  • Marlene Engelhorn, Podcast „Hinter den Millionen“
  • Prof. Dr. Isabel Feichtner, Professur für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht, Universität Würzburg, Mitglied der Expertenkommission zum Volksentscheid „Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen“
  • Dr. Dominik Feldmann, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Prof. Dr. Norbert Finzsch, Abteilung für Nordamerikanische Geschichte, Universität zu Köln
  • Prof. Dr. Andreas Fisahn, Professor für Öffentliches Recht, Umwelt- und Technikrecht, Rechtstheorie an der Universität Bielefeld
  • Georg Freiß, wiss. Mitarbeiter, Universität Regensburg
  • Caroline Friedrich, Gewerkschaftssekretärin, Heilbronn
  • Norbert Fröhler, Geschäftsführer Institut Solidarische Moderne
  • Maximilian Fuhrmann, Deutscher Mieterbund NRW
  • Dr. Uwe Fuhrmann, Wirtschafts- und Sozialhistoriker, Berlin
  • Melissa Gabriel-Cardenal, Bundestarifsekretärin für die Private Abfallwirtschaft, ver.di
  • Thomas Gebauer, Autor, Transnationale Demokratie
  • Jeannine Geißler, Regionalleiterin Bildungswerk ver.di, Hannover
  • Dr. Fabian Georgi, wiss. Mitarbeiter, Fachgebiet Globale Politische Ökonomie der Arbeit, Universität Kassel
  • Heiko Glawe, Gewerkschaftssekretär, LAG GewerkschaftsGrün Berlin
  • Prof. Dr. Matthias Goldmann, Internationales Recht, EBS Universität, Oestrich-Winkel-Hattenheim
  • Dr. Bernhard Goodwin, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Prof. Dr. Christoph Görg, Prof. i. R., Bonn
  • Prof. Dr. Daniela Gottschlich, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung Koblenz
  • Dr. Wolfram Grams, stellv. Bundesvorsitzender Humanistische Union
  • Robin de Greef, Gewerkschaftssekretär Fachbereich C Gesundheit und Soziales, Süd-Ost-Niedersachsen
  • Jan Groos, Host Future Histories Podcast, Leiter Media Lab Fachbereich Kommunikationswissenschaft, Universität Salzburg
  • Anne Grunewald, Bildungsreferentin, Hannover
  • Can Gülcü, Geschäftsführer Otto Brenner Stiftung, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Kultur und Migration, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Linda Guzzetti, Co-Sprecherin, GewerkschaftsGrün Berlin; Vorsitzende Kreisverband Mitte DGB Berlin
  • Prof. Dr. Lilian Haberer, Professorin für Kunstwissenschaft mit erweitertem Materialbegriff, Fächergruppensprecherin Kunst- und Medienwissenschaften, Kunsthochschule für Medien Köln
  • Iris Hanika, Schriftstellerin
  • Corinna Harfouch, Schauspielerin
  • Prof. Dr. Sabine Hark, Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, TU Berlin
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Fritz Haug, wissenschaftliche Leitung, Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT) e.V.
  • Jörn Hauß, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familienrecht
  • Dr. med. Hannelore Hauß-Albert, Fachärztin für Humangenetik
  • Prof. Dr. Susanne Heeg, Geographische Stadtforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Mitglied der Expertenkommission zum Volksentscheid „Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen“
  • Sarah Lee Heinrich, Sozialaktivistin, Autorin
  • Pascal Heisterüber, Gewerkschaftssekretär, Hannover
  • Prof. Dr. hab. Peter Hermann, Research Fellow at the Human Rights Center, Law School at the Central South University, Changsha, Hunan, PRC
  • Dierk Hirschel, Gewerkschaftssekretär
  • Prof. Dr. Lars Hochmann, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Koblenz
  • Dr.-Ing. habil. Stefan Hoerner, Maître de conférences (HDR), Grenoble Institute of Technology, Université Grenoble Alpes, Frankreich
  • Dr. med. Peter Hoffmann, Anästhesist, Betriebsrat, Mitglied im Aufsichtsrat der München Klinik
  • Dr. habil. Klaus Holz, Generalsekretär a.D. der Evangelischen Akademien Deutschland, Berlin
  • Leon Huesmann, Gewerkschaftssekretär ver.di Region Süd-Ost-Niedersachsen
  • Prof. Dr. Rahel Jaeggi, Professorin für Sozialphilosophie und Politische Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Thilo Jahn, Gewerkschaftssekretär, Göttingen
  • Dr. Peter Jehle, Privatdozent Uni Potsdam
  • Dr. Alke Jenss, Head of Cluster Contested Governance, Arnold-Bergstraesser-Institut, Freiburg
  • Prof. Dr. em. Dr. Brigitte Kahl, Union Theological Seminary, New York
  • Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt, Generalsekretär European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR)
  • Lars Kalkbrenner, Gewerkschaftssekretär, Hannover
  • Prof. Dr. Tobias Kalt, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Koblenz
  • Alexander Sandy Kaltenborn, Designer, vertr. Professor für Transformationsdesign, Kunsthochschule für Medien, Köln
  • Dota Kehr, Musikerin
  • Prof. Dr. Mario Keßler, Berlin
  • Cordula Kiank, Gewerkschaftssekretärin, Berlin
  • Prof. Dr. Markus Kiefer, Head of the Section for Cognitive Electrophysiology, Associate Professor of Psychology, Ulm University
  • Jean-Philippe Kindler, Moderator, Comedian und Autor
  • Jürgen Klippert, Gewerkschaftssekretär, IG Metall, Kassel
  • Felix Klostermeyer, Jugendsekretär ver.di, Bezirk Berlin
  • Maryam Kohlgraf, Gewerkschaftssekretärin, Bereich Jugend
  • Hinnerk Köhn, Comedian
  • Andreas Köppe, Gewerkschaftssekretär, IG Metall
  • Prof. Dr. Reinhart Kößler, Arnold-Bergstraesser-Institut Freiburg
  • Sandra Kotlenga, stellv. Mitglied im ver.di-Landesfachbereichsvorstand Fachbereich C, Niedersachsen-Bremen
  • Dr. Timmo Krüger, Fakultät Architektur und Urbanistik, Bauhaus-Universität Weimar
  • Stephan Krull, ehem. Betriebsrat VW-Werk Wolfsburg
  • Dr. Kalle Kunkel, Gewerkschaftssekretär
  • Prof. Dr. Antonia Kupfer, Professorin für Makrosoziologie, Institut für Soziologie, Technische Universität Dresden
  • Prof. Dr. Friederike Kuster, Bergische Universität Wuppertal
  • Dr. Timo Laven, wiss. Mitarbeiter und Habilitand, Öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • PD Dr. Henrik Lebuhn, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften
  • Dr. Manfred Liebel, Prof. a.D. für Soziologie, TU Berlin und Honorarprofessor für internationale und interkulturelle Kindheits- und Kinderrechtsforschung, FH Potsdam
  • Nico Limprecht, Gewerkschaftssekretär, Braunschweig
  • Volker Lösch, Aktivist und Regisseur
  • Prof. Dr. Martin Lücke, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte, Freie Universität Berlin
  • Prof. Dr. Anna Katharina Mangold, Professorin für Europarecht, Europa-Universität Flensburg, Mitglied der Expertenkommission zum Volksentscheid „Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen“
  • Prof. Nadine Marquardt, Professor of Social Geography, Department of Geography, University of Bonn
  • Prof. Dr. Dirk Martin, Frankfurt University of Applied Sciences
  • Tilman Massa, Co-Geschäftsführer Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre
  • Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja, Institut für Soziologie, Universität Göttingen
  • Hartmut Meine, ehem. Bezirksleiter, IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
  • Dr. Lukas Meisner, Lehrbeauftragter und Fellow, Institute for International Political Economy Berlin, Berlin Institute of Critical Theory
  • Prof. Dr. Christoph Menke, pensionierter Professor für Praktische Philosophie, Goethe-Universität, Frankfurt/Main
  • Dr. med. Helena Mielke, Fachärztin für Innere Medizin
  • Sylvia Milsch, ver.di-Gewerkschaftssekretärin, Hannover
  • Dr. Katrin Mohr, Gewerkschaftssekretärin, IG Metall
  • Moritz Neumeier, Comedian
  • Monika Neuner, Gewerkschaftssekretärin, Mannheim/Heidelberg
  • Gisela Neunhöffer, Gewerkschaftssekretärin, Berlin
  • Julia Niekamp, Gewerkschaftssekretärin, Göttingen
  • Dr. Sabine Nuss, Politologin, Publizistin
  • Hauke Oelschlägel, Gewerkschaftssekretär, Freiburg
  • Dr. Sophie Oerke
  • Dennis Olsen, Gewerkschaftssekretär, IG Metall Hannover
  • Jan Orbach, Geschäftsführer, ver.di Hannover-Heide-Weser
  • Prof. Dr. Stephan Panther, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Koblenz
  • Marco Pavlik, Gewerkschaftssekretär, Berlin
  • Dr. Florian Peters, Historiker, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl, Frankfurt University of Applied Sciences
  • Micha Plöse, Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
  • Prof. Dr. Ralf Ptak, Professor für ökonomische Bildung an der Universität Köln
  • Prof. Dr. Ilka Quindeau, Frankfurt UAS
  • Ariane Raad, Gewerkschaftssekretärin, ver.di
  • Dr. Nadja Rakowitz, Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärzt*innen
  • Laura Rauschenbach, Gewerkschaftssekretärin für das Bankgewerbe, private und öffentliche Banken, ver.di
  • Dr. Eva von Redecker, Philosophin, HfbK Hamburg
  • Dr. Jan Rehmann, Privatdozent am Philosophischen Seminar der FU Berlin
  • Prof. Dr. Jörg Reitzig, Professor für Sozialökonomie und Sozialpolitik, Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen
  • Dr. habil. Norbert Reuter, Leiter Tarifpolitische Grundsatzabteilung ver.di
  • Christiane Rösinger, Musikerin, Autorin
  • Tobi Rosswog, Autor, Aktivist und freier Dozent
  • Prof. Dr. Karla Rost, TU Chemnitz, Fakultät Mathematik
  • Prof. Dr. Daniel Rottke, Hochschule Neubrandenburg, Professur für Medizin / Gesundheitswissenschaften / Medical Humanities
  • Axel Rüdiger, Dr. phil., wiss. Mitarbeiter, FU Berlin, Institut für Koreastudien
  • Prof. Dr. Ulrich Ruschig, Universität Oldenburg
  • Frizzi Ruschke, Gewerkschaftssekretärin ver.di, Fachbereich C Berlin, Kultur, Zivilgesellschaft und Politik
  • Jun.-Prof. Dr. Daniela Ruß, Universität Leipzig
  • Nejla Salakovic, Gewerkschaftssekretärin ver.di, Bezirk Hannover-Heide-Weser
  • Merlin Sandmeyer, Schauspieler
  • Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
  • Prof. Dr. Wolfram Schaffar, Lehrstuhl für Entwicklungspolitik, Universität Passau
  • Dr. Kerem Schamberger, Referent für Migration und Flucht in der Öffentlichkeitsarbeit medico international
  • Prof. Dr. Simon Schaupp, BOFZAP Research Professor (Assistant), Centre for Sociological Research, KU Leuven
  • Prof. Dr. Sebastian Schipper, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Claudia Schippmann, Regionalleitung, Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e.V., Göttingen
  • Nina Schlosser, Doktorandin der Sozialwissenschaften, Universität Wien und Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
  • Prof. Dr. Stefan Schmalz, Lehrstuhl für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Martin Schmalzbauer, Gewerkschaftssekretär, Nürnberg
  • Prof. Dr. Matthias Schmelzer, Professor, Europa-Universität Flensburg
  • Dr. Ulrich Schneider, Senior Expert für die GKS-Consult, ehem. Hauptgeschäftsführer Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband
  • Dr. phil. Patrick Schreiner, Gewerkschaftssekretär, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Lara Schulschenk, Autorin, Publizistin und Content Creatorin
  • Ingo Schulze, Schriftsteller
  • Dr. med. Rudolf Schwab, Arzt.
  • Franz Segbers, Prof. em. Dr., Universität Marburg
  • Daniela Sepehri, Freie Social Media Beraterin, Autorin und Journalistin
  • Jana Seppelt, Gewerkschaftssekretärin, Berlin
  • Dr. Alexander Silbersdorff, Leiter AG Learning Analytics und Data Literacy, Georg-August-Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Ruth Sonderegger, Akademie der bildenden Künste Wien
  • Michael Sontheimer, Journalist
  • Prof. Dr. Philipp Staab, Humboldt-Universität Berlin
  • Sonja Staack, Gewerkschaftssekretärin, ver.di
  • Dr. med. A. Steinmann, Ärztin.
  • Eric Strubl, Immobilienerbin
  • Nele Stuhler, Autorin und Regisseurin
  • Sonja Taubert, Mitglied Koordinierungskreis Attac Deutschland
  • Katharina Thalbach, Schauspielerin
  • Dr. Lasse Thiele, Politikwissenschaftler
  • Ruth Thomas, Autorin
  • Prof. Dr. Tanja Thomas, Schwerpunkt Transformationen der Medienkultur, Institut für Medienwissenschaft, Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Prof. Dr. Claus Thomasberger, Professor für Volkswirtschaftslehre i.R., Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • Trille, Musiker
  • Prof. Dr. Dr. Peter Ullrich, HWR Berlin und TU Berlin
  • Prof. Dr. Hans-Jürgen Urban, ehem. geschäftsführendes Vorstandsmitglied IG Metall; Honorarprofessor für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Kristina Veers, Organizerin Werkstatt Erschließung, ver.di-Landesbezirk NRW
  • Prof. Dr. Frieder Vogelmann, Professor für Epistemology and Theory of Science, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Prof. Dr. Manfred Walser, LL.M., Professor für Arbeitsrecht und Wirtschaftsprivatrecht, Fachbereich Wirtschaft und Wirtschaftsrecht, Hochschule Mainz
  • Prof. Dr. Isabella Weber, Associate Professorin für Volkswirtschaftslehre, University of Massachusetts Amherst, USA, Autorin „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“
  • Prof. Dr. Júlia Wéber, Professur für Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik, Hochschule Neubrandenburg
  • Prof. Dr. phil. habil. Klaus Weber, Hochschule München
  • Manuela Wegener
  • Prof. Dr. Max Welch Guerra, Institut für europäische Urbanistik, Bauhaus-Universität Weimar
  • Frank Werneke, Vorsitzender ver.di
  • Prof. Dr. Tilo Wesche, Lehrstuhl für Praktische Philosophie, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Dr. Linus Westheuser, Senior Researcher, Max Planck Institute for Political and Social Science, Göttingen
  • Jannik Widon, Gewerkschaftssekretär, Stuttgart
  • Christian Wille, Gewerkschaftssekretär, Berlin
  • Prof. Dr. Jens Winter, Fakultät BWL, Hochschule Biberach
  • Prof. Dr. Markus Wissen, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin
  • Prof. Dr. Frieder Otto Wolf, Honorarprofessor am Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin
  • Nils Wolpmann, Gewerkschaftssekretär, Bremen
  • Dr. Pit Wuhrer, Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins Medien und Kunst Konstanz
  • Uwe Zabel, Gewerkschaftssekretär, Frankfurt
  • Prof. Dr. Karim Zantout, Fakultät für Informationsmanagement und Medien, Hochschule Karlsruhe
  • Prof. Dr. Aram Ziai, Professur für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien, Uni Kassel
  • Dr. med. Susanne Zickler, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Prof. Dr. Susan Carin Zimmermann, Central European University, Wien
  • Prof. Dr. Beate Zimpelmann, Hochschule Bremen

Institutionsangaben dienen ausschließlich der Kenntlichmachung.

Hintergrund

Fragen und Antworten

Was ist Vergesellschaftung?

Vergesellschaftung heißt: Grund und Boden, Naturschätze oder Produktionsmittel werden aus privatem Eigentum in Gemeineigentum überführt – und dann demokratisch und am Gemeinwohl ausgerichtet statt nach Renditekriterien verwaltet. Die gesetzliche Grundlage dafür ist Artikel 15 des Grundgesetzes.

Vergesellschaftung ist etwas anderes als eine gewöhnliche Enteignung. Bei einer Enteignung nach Artikel 14 nimmt der Staat einzelnes Eigentum für ein konkretes Vorhaben in Anspruch, beispielsweise beim Bau einer Autobahn. Allein 2025 liefen in Deutschland 177 Enteignungsverfahren für den Straßenbau. Demgegenüber geht es bei einer Vergesellschaftung nach Artikel 15 darum, wie ein ganzer Bereich der Wirtschaft organisiert wird: Wer entscheidet, und zu welchem Zweck wird gewirtschaftet? Vergesellschaftung ist damit auch keine bloße Verstaatlichung: Neben dem Eigentumswechsel geht es um demokratische Verwaltung und eine Bewirtschaftung, die sich am Gemeinwohl ausrichtet. Für Berlin schlägt die Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ dafür eine Anstalt öffentlichen Rechts vor. Sie soll ohne Gewinnabsicht wirtschaften und von einem Verwaltungsrat aus Mieter*innen, Beschäftigten, Stadtgesellschaft und Senat geführt werden.

Was steht in Artikel 15 des Grundgesetzes?

Artikel 15 erlaubt es, „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel“ durch ein Gesetz in Gemeineigentum oder andere Formen der Gemeinwirtschaft zu überführen. Das Gesetz muss Art und Ausmaß der Entschädigung regeln.

Der Artikel ist Teil des Gründungskompromisses von 1949: Das Grundgesetz schützt privates Eigentum, legt sich aber nicht auf eine bestimmte Wirtschaftsordnung fest. Das hat das Bundesverfassungsgericht 1954 im Investitionshilfe-Urteil bestätigt. Angewandt wurde Artikel 15 bislang nie.

Was plant die Bundesregierung?

Anfang Juli kündigte die Bundesregierung ein Gesetz an, das den Ländern die Kompetenz zur Vergesellschaftung privater Wohnungsbestände entziehen soll. Federführend ist das Bundesinnenministerium, ein Entwurf liegt noch nicht vor.

Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin soll das Vorhaben beschleunigt werden. Es zielt direkt auf den Volksentscheid von 2021 und soll dessen Umsetzung verhindern. Ein reines Verbot wäre jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit verfassungswidrig; um Artikel 15 einzuschränken, bräuchte es eine Grundgesetzänderung mit Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat.

Im Gespräch sind deshalb Varianten, die nicht „Verbot“ heißen, aber dem Geist von Artikel 15 widersprechen und darum ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit verfassungswidrig wären. Die bayerische Landesregierung hat beispielsweise im Juni eine bundesrechtliche „Rahmenregelung“ verlangt, die eine Entschädigung zum Marktwert vorschreiben soll.

Worüber hat Berlin 2021 abgestimmt?

Beim Volksentscheid am 26. September 2021 stimmten 59,1 Prozent – 1.035.950 Berlinerinnen und Berliner – mit Ja. Der Beschluss lautete:

„Der Senat wird aufgefordert, alle Maßnahmen einzuleiten, die zur Überführung von Immobilien sowie Grund und Boden in Gemeineigentum zum Zwecke der Vergesellschaftung nach Art. 15 Grundgesetz erforderlich sind.“ Ein Gesetz dazu soll nach dem Beschluss insbesondere vorsehen:

  • Vergesellschaftung der Bestände aller privatwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen mit über 3.000 Wohnungen im Land Berlin. Ausgenommen sind Unternehmen in öffentlichem Eigentum, kommunale Wohnungsbaugesellschaften in privater Rechtsform und Bestände in kollektivem Besitz der Mieter*innenschaft,
  • gemeinwirtschaftliche, nicht profitorientierte Verwaltung der Wohnungsbestände durch eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR),
  • Verwaltung der in Gemeineigentum überführten Bestände unter mehrheitlicher, demokratischer Beteiligung von Belegschaft, Mieter*innen und Stadtgesellschaft,
  • Verbot der Reprivatisierung dieser Wohnungsbestände in der Satzung der AöR,
  • Zahlung einer Entschädigung deutlich unter Verkehrswert an die betroffenen Wohnungsunternehmen.

Betroffen wären rund 210.000 Wohnungen. Ein großer Teil der betroffenen Wohnungen war bis vor rund zwanzig Jahren in öffentlicher Hand. Berlin besaß 1990 rund 482.000 landeseigene Wohnungen, 2005 waren es nur noch etwa 270.000. Umgesetzt hat der Senat den Beschluss bis heute nicht. Die Initiative hat deshalb 2025 selbst einen ausgearbeiteten Gesetzentwurf vorgelegt: Zum Gesetzentwurf von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“

Was hat die Berliner Expertenkommission festgestellt?

Der Senat setzte nach dem Volksentscheid eine Expert*innenkommission unter Vorsitz der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin ein. In ihrem Abschlussbericht vom Juni 2023 kam sie zu dem Ergebnis:

  • Das Land Berlin hat die Gesetzgebungskompetenz für eine Vergesellschaftung.
  • Die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen ist mit dem Grundgesetz vereinbar und nach Auffassung der Mehrheit der Kommissionsmitglieder auch verhältnismäßig.
  • Die Entschädigung darf nach Auffassung der Mehrheit der Kommissionsmitglieder deutlich unter dem Marktwert liegen.
Wie hoch muss die Entschädigung sein?

Artikel 15 schreibt eine Entschädigung vor. Für sie gilt Artikel 14 Absatz 3: Sie ist „unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen“. Sie muss nach Auffassung der Mehrheit der Expertenkommission nicht dem Marktwert entsprechen. Eine gesetzliche Pflicht zur Entschädigung zum Marktwert würde dagegen die vorgeschriebene Abwägung aushebeln und dem Umverteilungsgedanken widersprechen, der Artikel 15 historisch prägt.

Die Initiative schlägt eine Entschädigung von etwa 40 bis 60 Prozent des Marktwerts vor. Sie richtet sich nach dem Wert der Gebäude und einem Bodenwert, der die spekulativen Preissprünge der letzten Jahre nicht voll mitzählt: Diese Wertsteigerungen sind nicht durch Leistung der Unternehmen entstanden, sondern durch die Entwicklung der Stadt. Bezahlt werden soll über Anleihen der neuen Anstalt, die über Jahrzehnte aus den laufenden Mieteinnahmen bedient werden. Das Land Berlin würde dafür keine Schulden aufnehmen.

Dass sich eine Vergesellschaftung finanzieren lässt, bestätigt auch eine Studie der Ökonomen Sebastian Dullien, Patrick Kaczmarczyk, Tom Krebs und Achim Truger vom September 2026 – mit einem anderen Finanzierungsmodell. Sie bewertet die rund 210.000 Wohnungen nach den Mieteinnahmen, die bei für untere und mittlere Einkommen bezahlbaren Mieten erzielbar sind, und kommt auf eine Entschädigung von 13,5 Milliarden Euro. Aus den Mieten ließe sich ein jährlicher Reinertrag von 543 Millionen Euro erwirtschaften – genug, um Zinsen und Tilgung dauerhaft zu tragen. Das Eigenkapital, das das Land in diesem Modell beisteuern würde, fällt nicht unter die Schuldenbremse. Weil der Entschädigung ein realer Gegenwert in Form des Wohnraums gegenübersteht, handelt es sich ökonomisch gesprochen um eine Bilanzverlängerung, nicht um verlorene Ausgaben.

Warum betrifft das nicht nur Berlin?

Ein Sperrgesetz würde nicht nur einen Volksentscheid aushebeln, sondern eine Möglichkeit, die das Grundgesetz allen künftigen Mehrheiten offenhält: Teile der Wirtschaft gemeinwirtschaftlich zu organisieren, wenn der Markt dauerhaft versagt – beim Wohnen, aber etwa auch bei Energie oder Gesundheit.

Es würde außerdem ein fatales Signal senden: Mehrheiten zählen nicht, wenn sie wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufen. Ob man Vergesellschaftung für richtig hält oder nicht – darüber muss im demokratischen Prozess entschieden werden.

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Vincent Janz
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„Artikel 15 retten“ ist eine Initiative von communia.