Industrielle Transformation demokratisch gestalten
Der industrielle Umbau stockt – dabei hat er, gemessen am Notwendigen, gerade erst begonnen. Ob Chemie, Zement, Stahl oder Auto: Die langfristig nötigen Investitionen bleiben aus. Die Folgen für Beschäftigte und Gesellschaft sind absehbar.
Das private Eigentum scheitert am Umbau. Wer kurzfristig Profite ausweisen muss, verschiebt Investitionen, deren Nutzen erst in zwanzig Jahren anfällt. In unseren Studien zur Energiewirtschaft und zur Stahlindustrie haben wir dieses Problem dargestellt: Es fehlt weder an der Technik noch an der Finanzierung, sondern an der Verfügungsmacht.
Gemeinwirtschaft ist die Antwort auf diese Lücke. Artikel 15 des Grundgesetzes sieht ausdrücklich vor, Produktionsmittel in Gemeineigentum zu überführen — nicht als Notverstaatlichung in der Krise, sondern als dauerhafte Ordnung, in der demokratisch verwaltet und am Bedarf statt an der Rendite geplant wird. Was das konkret heißt, haben wir für den Energiesektor ausbuchstabiert und für die Stahlindustrie in zwei Studien weitergedacht.
Stahl als Prüfstein der Industriepolitik
Der Stahlsektor steht vor einer historischen Weichenstellung. In Europa hängen rund 300.000 direkte und bis zu 2,5 Millionen indirekte Arbeitsplätze daran – und mit ihm die Dekarbonisierung der gesamten Industrie. ThyssenKrupp Steel und Tata Steel planen umfassende Stellenstreichungen, während der Umbau auf grünen Wasserstoff kaum vorankommt.
Private Stahlkonzerne streichen die Investitionen, die es dafür bräuchte. Die Politik antwortet mit Subventionen ohne Gegenleistung, CO₂-Grenzausgleich und, wo es brennt, mit Rettungsverstaatlichungen ohne Plan. Das Kernproblem bleibt unangetastet: Langfristige soziale und ökologische Bedürfnisse stehen im Widerspruch zu kurzfristigen Profitinteressen.
Ein anderer Weg wäre möglich: Die Überführung der Stahlindustrie in demokratisches, gemeinwohlorientiertes Eigentum ist kein Notnagel, sondern eine ökonomisch sinnvolle Transformationslösung: Sie macht langfristige Planung möglich, sichert Arbeitsplätze und bindet öffentliches Geld an öffentliche Kontrolle.
Studien und Veröffentlichungen
Studie: Vergesellschaftung der Stahlindustrie
September 2025. Zur strukturell verursachten weltweiten Überproduktion, einer schwachen Nachfrage und langen Investitionszyklen kommt die Umstellung auf grünen Wasserstoff. Die Studie zeigt: Einer Stahlindustrie in privater Hand kann dieser Umbau trotz massiver öffentlicher Förderung nicht gelingen. Sie vergleicht die politischen Lösungsansätze – von der Subventionspolitik über Rettungsverstaatlichungen bis zum „Weiter so“ – und entwickelt Eckpunkte eines Transformationsmodells durch öffentliches Eigentum.
Studie: Europäische Stahlpolitik
Gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brüssel, März 2026. Europäische Stahlpolitik heißt öffentliche Investitionen, Vergesellschaftung und Planung. Die Studie nimmt die europäische Ebene in den Blick: eine Industrie in tiefer Krise, Regierungen, denen wenig mehr als Marktanreize und CO₂-Steuern an den Außengrenzen einfällt, und ein Investitionsstau bei der Dekarbonisierung, den private Konzerne nicht auflösen werden.


