Gastbeitrag: KI enteignen, vergesellschaften, abschalten
Apr. 22, 2026

Ein Gastbeitrag von Friederike Karla Hildebrandt. Der erste Teil findet sich hier.

Vom 10. – 12. April fand Cables of Resistance, die erste Bewegungskonferenz gegen Big Tech, statt. Dieses Essay ist meine persönliche Meinung aber speist sich aus vielen Diskussionen und dem Manifest zur Konferenz. Die Inspiration für Widerstand und Hoffnung erwächst aus den weltweiten Bewegungen gegen Big Tech, die für eine Zukunft jenseits des Techno-Faschismus kämpfen und zum Teil auf der Cables of Resistance gesprochen haben – die Recordings gehen in den nächsten Wochen online auf cableresist.org

Einer der besten Momente im letzten Monat war, als ich als Pressesprecher*in für die Cables of Resistance-Konferenz der Presse sagen durfte: „Wir lehnen KI ab.“ Das ist ein direktes Zitat aus dem Manifest der Konferenz, an dem viele kluge Aktivist*innen gearbeitet haben. Angesichts der ökologischen und gesellschaftlichen Kosten großer KI-Modelle ist diese Aussage eigentlich nicht besonders radikal. Dennoch kamen Presse und Teilnehmer*innen immer wieder hellhörig darauf zurück. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir die KI der großen Tech-Konzerne ablehnen. KI hat auch in einer linken Zukunft keinen Platz. Es ist höchste Zeit, sie zu enteignen, zu vergesellschaften und abzuschalten.

Im ersten Teil dieses Artikels erkläre ich, wie ich KI definiere, und führe aus, dass KI die aktuelle Spitze der kapitalistischen Akkumulation durch Tech-Konzerne ist. Ein Genosse fasste es neulich so zusammen: „Wenn es so viel freies Wissen im Internet gibt, war es doch nur eine Frage der Zeit, bis der Kapitalismus einen Weg findet, daraus Profit zu machen.“ Dieser Profit ist leider zu einem großen Teil Spekulation. Die drohende Wirtschaftskrise durch das Platzen der KI-Blase wird jedoch nicht die mächtigsten CEOs und Investor*innen am härtesten treffen. Der zweite Teil dieses Artikels dreht sich vor allem darum, warum KI keinen Platz in einer linken, gerechten und ökologischen Zukunft hat.

2. Ökologische Kosten

People talk about how much energy it takes to train an AI model – but it also takes a lot of energy to train a human“ – Sam Altman

Eine der größten Desinformationen, die KI-Unternehmen hartnäckig befeuern, ist, dass KI „das Klima retten könne“. Dafür gibt es nicht nur keine Belege, sondern KI entwickelt sich auch rapide zu einer neuen, klimaschädlichen Industrie, die Hand in Hand mit fossilen Konzernen arbeitet. Bis zur Einführung generativer KI war der Energieverbrauch der Digitalbranche recht stetig an Nutzer*innenzahlen gebunden und konstant 1 – 2 % Prozent des globalen Energieverbrauches. Mit der Einführung der großen KI-Modelle wendete sich das Blatt: Alle Tech-Konzerne gaben ihre Klimaziele auf und begannen, für eine Deregulierung von fossilen Energien und die Wiedereinführung von Nuklearenergie zu lobbyieren. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass Rechenzentren in den nächsten 5 Jahren bis zu 20 – 30% des globalen Energiebedarfes ausmachen könnten.

Und dieser Bedarf kann (und soll) nicht durch erneuerbare Energien gedeckt werden – stattdessen bedeutet der KI-Boom eine lukrative Zusammenarbeit von fossiler Industrie und Tech-Unternehmen: Mit der Planung neuer Rechenzentren hat Siemens Energy eine Warteliste für ihre Gasturbinen, die insbesondere in den USA eingesetzt werden und selbst in Deutschland werden Rechenzentren mit Anschluss ans Gasnetz geplant.

OpenAI kündigte Ende 2025 an, bis 2030 den Energieverbrauch von Indien haben zu wollen. Der hohe Energiebedarf entsteht vor allen Dingen durch die Nutzung der Modelle, die mit neuen Features stetig energieintensiver werden (so ist selbst das zunächst energiesparende DeepSeek heute durch Reasoning energieintensiver geworden).

Gleichzeitig liegt es nicht fern, dass der weltweite Ausbau von Hyper-Scale-Rechenzentren, die sehr viele Chips und sehr viel Energie brauchen, ein kalkulierter Teil des Geschäftsmodells hinter KI sind. Aktuell gehören Chip-Hersteller und fossile Konzerne zu den wenigen Unternehmen, die tatsächlich schwarze Zahlen schreiben. Fossile Konzerne werden auch nicht müde, die Wichtigkeit von KI und ihre Unterstützung für den Ausbau der Rechenzentren zu betonen und Tech-CEOs feiern die Trump-Regierung für seine Ablehnung von „climate extremist“-Klimaschutzprogrammen. Eine unholy alliance, die eine eigentlich sterbende Industrie wiederbelebt, während die Welt sich munter auf 2,5° Grad+ zubewegt.

Der Energiebedarf der aktuellen Modelle ist so hoch, dass sie auch in anderer Eigentumsform und demokratisch kontrolliert nicht möglich sind. Das heißt, dass sie sich auch in Gemeineigentum nicht als Öffentlicher Luxus eignen, sondern demokratisch kontrolliert heruntergefahren werden müssen.

3. Faschistische Technologie in Zeiten des Faschismus

I no longer believe that freedom and democracy are compatible”, Peter Thiel

Die Nähe der Tech-Konzerne zum amerikanischen Faschismus lässt sich kaum ignorieren. Trumps Präsidentschaft fußt aktuell auf dem BIP-Wachstum durch den KI-Hype. Deswegen ermöglicht sie bereitwillig die Deregulierung von Daten-, Verbraucher*innen- und Umweltschutz zugunsten der KI-Entwicklung und des Ausbaus von Rechenzentren.

Aber die Entwicklung von KI und die großen Tech-Konzerne sind auch selber tief in eugenischer und faschistischer Ideologie verwurzelt. Peter Thiel (Hauptinvestor in OpenAI & Palantir) träumt von einer Welt, in der Demokratie zugunsten von Kapitalfreiheit überwunden wird. Elon Musk verfolgt sozialdarwinistische Ideologien von technisch erweitertem Bewusstsein, mit seinem Gehirnimplantat Neurolink, welches menschliche Gesundheit technisch erweitern soll, genetischer Selektion bis hin zu künstlichen Gebärmüttern. Die Tech-Milliardäre streben schon lange mehr als Profite an: Sie verfolgen politische Macht für die Umsetzung ihrer neoliberalen bis libertär-kapitalistischen Ideologie. Musks DOGE-Agentur war nur der sichtbarste Ausdruck dieser Strategie.

Die ideologische Erzählung hinter der vermeintlich disruptiven KI ist tief verwurzelt im Transhumanismus, der zum Ziel hat, Menschen zu sortieren, weiter zu entwickeln und schließlich zu überwinden. Auch wenn Aussagen, wie „Kosten wie die Klimakrise müssen in Kauf genommen werden für die KI Entwicklung“ (Sam Altman), weltfremd klingen, gehören sie zu einer geschlossenen long-termistischen Ideologie, die die Menschheit optimieren will – koste es, was es wolle. Die hohen Kosten von KI seien deswegen kein Problem, sondern ein kleiner Stein im Weg der glorreichen Techno-Zukunft. Die Klimakrise ist lediglich der Preis für die Besiedlung des Mars oder die technische Unsterblichkeit des menschlichen Bewusstseins (indem es vor dem Tod in eine Cloud hochgeladen wird).

Auch die Funktionsweise der erfolgreichen KI-Projekte passt in diese Ideologie. Tech-Unternehmen sind sehr offen darin, menschliche Interaktion zunehmend durch KI ersetzen zu wollen.

KI-Freundschaften, Therapeut*innen, Liebespartner*innen oder Programme, die tote Angehörige imitieren, werden breit beworben, häufig mit dem Versprechen, die Einsamkeit im Kapitalismus zu beenden. Mark Zuckerberg erklärte sich jüngst dazu bereit, die Einsamkeit in den USA durch AI-Companions zu beenden.

Und dabei sind Chatbots darauf trainiert, möglichst angenehme Gesprächspartner zu sein. Sogenannte „Sycophancy Chatbots“ (Schmeichelnde Chatbots) können laut ersten Studien zu sogenannten „KI Psychosen“ führen. Damit ist der Zustand gemeint, in dem Menschen anfangen, an eine eigene überhöhte Brillanz oder persönliche Unfehlbarkeit zu glauben, und die Chatbots als wertvollere Gesprächspartner als normale Menschen wahrnehmen. Gleichzeitig steigt das Gefühl der Einsamkeit, je mehr die Chatbots genutzt werden. Erst nach dem Selbstmord eines Teenagers in 2025 in den USA wurde die Zustimmung zu Suizid im ChatGPT-System unterbunden.

Zudem nimmt die Fähigkeit zur Recherche, Entwicklung von Texten und eigenem kritischen Denken bei regulärer Nutzung von Chatbots nachgewiesen ab und die Abhängigkeit von den Systemen für einfache Aufgaben zu. Zusätzlich werden Antworten zwar mittlerweile mit Quellen hinterlegt, aber sind trotzdem zum Teil irreführend, falsch und geprägt von verbreiteter (stochastischer, wiederholter) Diskriminierung. Seit Herbst 2025 hat ChatGPT mehr monatliche Nutzer*innen als Wikipedia – obwohl Wikipedia einer der größten Trainingsdatensätze für das Modell war und ChatGPT häufig eine schlechtere Quellenlage und falsche Informationen liefert.

Chatbots werden damit zunehmend zum Vermittler für digitales Wissen, das sie aber nicht neutral zur Verfügung stellen, sondern einbetten und verzerren können – kontrolliert von rechten Unternehmen, die die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns überwinden wollen und denen die kognitive Abhängigkeit von KI in ihr faschistisches Weltbild passt.

Diese Dynamiken sind in den Systemen, wie sie heute sind, tief verankert und durch demokratische Kontrolle anpassbar, aber nicht auflösbar.

4. Automatisierte Tötung und Kriegseinsätze

Our product is used, on occasion, to kill people.“ (Palantir CEO Alex Karp)

Eine der effektivsten Anwendungen der gehypten KI ist die Zusammenführung von großen Datensätzen. Das Unternehmen Palantir führt beispielsweise Daten aus Sozialen Medien, Metadaten (z.B. Suchverläufe von Nutzer*innen), Online-Publikationen und Standorte zusammen und macht diese Informationen für Polizei, Geheimdienste und Militär nutzbar. So können Behörden beispielsweise Social-Media-Verhalten von Personen für ihre Arbeit auswerten. Diese Technologie wird zunehmend in der militärischen Nutzung für „gezielte“ Tötung eingesetzt. Das aktuell brisanteste Beispiel ist das „Lavender“-System von Palantir, das das israelische Militär (auf der Amazon-Cloud) nutzt, um automatisiert menschliche Ziele in Gaza zu identifizieren und anzugreifen. Dabei hat eine menschliche Entscheidungsträger*in wenige Sekunden Zeit, den KI-Vorschlag zu überprüfen. 37.000 Menschen wurden schätzungsweise so als Ziele identifiziert und zum Teil abgeschossen und getötet – je mit einem für akzeptabel erachteten Spielraum von bis zu 100 zusätzlichen zivilen Opfern.

In den USA wird aktuell die Software von ICE mit Palantir weiterentwickelt, um noch gezielter Migrant*innen festnehmen zu können. In Deutschland nutzen aktuell die Polizei in Hessen, NRW und Bayern die Software, und weitere Bundesländer diskutieren die Einführung .

Das Verhindern von staatlicher Überwachung ist einer der größten Diskussionspunkte rund um die Vergesellschaftung digitaler Dienste und Plattformen. Es sollte keine Überwachung von Nutzer*innen durch Unternehmen geben, aber – insbesondere in Zeiten immer autoritärerer Staaten – auch nicht die Möglichkeit für Staaten und Behörden, dies zu tun. Bei der Vergesellschaftung von Datenbanken und Datenauswertungssoftware wie den Diensten von Palantir kann am Ende nur das Vernichten der Datensätze und Abschalten der Software stehen.

Öffentlicher, Digitaler Luxus und GenAI

Die Vergesellschaftung von KI-Systemen ist dringend nötig, um Schaden abzuwenden, aber die Weiternutzung der aktuellen Systeme ist auch unter veränderten Eigentumsbedingungen keine Option für eine emanzipatorische Gesellschaft. Das bedeutet nicht, dass eine emanzipatorische Zukunft frei sein muss von Algorithmen oder Möglichkeiten, große Datenmengen auszuwerten. Ein kleiner, aber wichtiger Diskurs untersucht, welche alternativen KI-Modelle eingesetzt werden könnten, um beispielsweise Verwaltungsaufgaben zu erleichtern oder Wissen zugänglicher zu machen. Large-Language-Models, die in Medizin oder Industrie eingesetzt werden, brauchen Hochleistungsrechner – aber dazu reicht der Keller eine Universität und es braucht kein eigenes Hyper-Scale-Rechenzentrum. Small AI, Language Models (LM), Wissensgraphen oder Tiny AI gibt es schon lange, und sie werden aktuell im Diskurs als Gegenvorschlag für spezifische Datenauswertungen diskutiert. Dabei existieren aber die selben Herausforderungen wie bei anderen Softwarealternativen zu großen Anwendungen: Nutzbarkeit, Finanzierung und Zugänge.

Zudem geschieht algorithmische Datenauswertung für Forschung und Politik schon seit Jahren. Häufig ist hier der Zugang zu Daten – etwa für Verkehrs-, Biodiversitäts- und Klimaforschung oder Analysen von Gebäudebeständen – die größte Herausforderung. All diese Modelle brauchen weder große Rechenkapazitäten noch gigantische Datenmengen. Die digitale Zukunft muss dringend demokratisiert werden. Das gilt für die Möglichkeiten einer datensicheren, nachhaltigen Internetnutzung (mit guter User Experience – das ist der Luxusteil), die demokratisch kontrolliert ist. Dafür gibt es zahlreiche Vorlagen, wie demokratische Kontrolle aussehen kann – von Plattformräten zu Plattform-Kooperativen oder kommunalen Plattformen.

Auch Wirtschaftsplanung mit großen Datenmengen ist nicht abhängig vom Einsatz der aktuellen großen KI-Modelle, da Ressourcenplanung weder auf spezifische Individuen ausgelegt sein muss (und demokratische Planung eh nicht auf der Überwachung der Bevölkerung beruhen sollte) und selten Antworten generieren sollte – es geht ja um die reale Wirtschaft, nicht stochastische Durchschnitte.

Widerstand & Transformation gegen KI

„ ‚AI is here to stay’ – the makers of NFTs, the Metaverse and Google Glasses”

Mir begegnet immer wieder Unbehagen um die Omnipräsenz von KI, insbesondere, wenn es um Technologien wie Neurolink, Palantir oder die drastischen Klimaauswirkungen geht. Trotzdem verläuft kein Gespräch über KI ohne das Argument „Das kann man eh nicht mehr aufhalten“. Am liebsten wird KI dann mit der Einführung des Telefons oder des Computers verglichen. Selbst wenn die meisten Menschen sich eine andere Zukunft wünschen als eine Welt mit 2,5° Klimaerwärmung, teuren Marskolonien und Unsterblichkeit des Bewusstseins in einer körperlosen Cloud, sei der Trend unverhinderbar.

Die Unvermeidbarkeit von Technologien ist kein neues Narrativ, Diskussionen um Nuklearenergie oder Gentechnik werden und wurden ähnlich geführt. Aber auch Widerstand gegen eben solche Technologien ist nicht neu. Von den Luddisten oder Maschinenstürmer*innen, die in England ihre Webstühle aus Protest gegen Ungleichheit in der Industrialisierung zerstörten, bis hin zur Anti-Atom-Bewegung und globalem Widerstand gegen genetisch verändertes Saatgut und zugehörige Pestizide oder den Anti-Kohle-Protesten.

Der Widerstand gegen Technologien reicht dabei von Aufklärung, persönlichem Boykott, bis hin zu Protesten, Blockaden und breiter gesellschaftlicher Organisierung vom bürgerlichen bis in das radikale linke Spektrum. Die Anti-Atom-Bewegung reichte von kritischen CDUler*innen bis „Castor Schottern“, die Anti-Braunkohle-Proteste von Bürger*inneninitiativen bis Waldbesetzungen.

Und ähnliche Allianzen zeichnen sich in Bezug auf KI und insbesondere ihre materiellen Infrastrukturen ab. Von indigenen Gebieten in Nordeuropa, Chile, Uruguay bis Brandenburg entstehen Initiativen gegen Rechenzentrumsausbau. Von den Aufständen der Allmende in der Schweiz, La Nuage était sous nos pieds in Marseille, bis zum BUND in Nordrhein-Westfalen. In Deutschland sind es häufig Bürger*inneninitiativen, die sich gegen Flächenversiegelung, Wasserknappheit und Energieverbrauch von Rechenzentren einsetzen. Zudem entstehen überall radikalere Initiativen, insbesondere aus dem digital- und klimapolitischen Bereich. In den USA gibt es erste First Nations, die Moratorien gegen Rechenzentrumsausbau in ihren Gebieten erlassen. In der Palästina-Solidarischen Bewegung und den Kämpfen gegen Militarisierung wird die Kritik gegen KI-Einsatz im Krieg immer lauter und auf die Straße, in Betriebe und vor Werktore getragen.

Dieser Widerstand, breite Organisierung, Verweigerung, auch Hacking und Blockade sind der beste Weg zu Widerstand gegen KI und sollten eine Brücke bilden, die Auswirkung der Technologie wie Militarisierung, Klimakrise und Prekarisierung von Arbeit zu verhindern. Sie sollten auch nach der Wurzel greifen, der massiven Eigentumskonzentration bei Tech-Konzernen dahinter, und eine Enteignung, Demokratisierung und schließlich das Herunterfahren erzwingen. Es gibt keine linke, klimagerechte Zukunft mit KI, keinen Frieden mit KI-Waffensystemen und keine antifaschistische Zukunft mit Tech-Milliardären, die davon träumen, die Menschheit zu überwinden.

 

Nachtrag: Individueller KI-Konsum

Ich habe bisher keinen Vortrag gehalten oder Text geschrieben, nach dem ich nicht darauf angesprochen wurde, dass sich Zuhörer*innen das Leben ohne KI nicht mehr vorstellen können. Es ist bei KI wie allgemein in der Konsumkritik. Es gibt sicher gute individuelle Gründe für die Nutzung. Es gibt auch gute Gründe für Flüge von Hamburg nach Berlin, statt die Bahn zu nehmen. Sind diese Gründe verallgemeinerbar? Meist nicht. Hat das viel mit Komfort und Nutzbarkeit von Alternativen zu tun? Vielleicht, aber hoffentlich ist das Gehirn der meisten Menschen zuverlässiger als die Deutsche Bahn. Geht es auch um Inklusion und Zugänge z.B. zu Übersetzungen oder akademische Sprache? Ja. Und das ist ein valider Punkt. Aber die KI-Programme wurden nicht aus einem Inklusionsgedanken entwickelt (eher dem Gegenteil) und werden Diskriminierung nicht langfristig abbauen. Gibt es eine Klassendimension, was Zugänge durch Sprache und Formalität angeht? Ja, natürlich! Gibt es Einzelfälle, wo LLMs wahnsinnig hilfreiche Ergebnisse liefern? Ja! Aber eine spezifische, kleine KI könnte das meistens genauso gut. Sind Studiengänge heutzutage überlastet und müssen wir allgemein in Bullshitjobs zu viele Mails schreiben? Ja! Aber die neuste Spitze der Kapitalakkumulation wird voraussichtlich nicht den neoliberalen Kapitalismus beenden. Wird uns KI im Neoliberalismus langfristig aus dem Hamsterrad befreien? Nein. Sollte man KI-Shaming einführen? Ja, besonders für Politiker*innen oder Menschen, die ungefragt fremde Text mit KI verändern. Sollte man Menschen individuell verurteilen? Nein. eh nie. Löst privater Boycott das Problem? Nur zum Teil. Beim Klima reicht es ja leider auch nicht. Was hilft dann? Aufklärung. Bewegungsarbeit. Enteignen. Streik. Organisierung. 🙂

 

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