Gemeingut Gesundheit: Versorgung für alle
Das deutsche Gesundheitssystem ist an einem Wendepunkt und das spüren wir alle immer mehr. Ob Klinikschließungen, chronischer Pflegemangel oder Hedgefonds-Investments in Arztpraxen: Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens hat Strukturen hinterlassen, die dem erklärten Ziel einer guten Versorgung für alle fundamental widersprechen. Pfleger*innen und Ärzt*innen halten das System mit persönlichem Einsatz am Laufen; Angehörige übernehmen unbezahlt Pflegearbeit, die sie selbst überfordert. Gesundheit ist gleichzeitig das Feld, in dem die gesellschaftliche Bereitschaft für strukturellen Wandel am stärksten gewachsen ist. communia betritt dieses Feld nicht mit einem weiteren Reformvorschlag — sondern mit dem Anspruch, ein Modell für Gesundheit als Gemeingut zu entwickeln: eines, in dem gute Versorgung oberste Priorität hat, das Wohl von Patient*innen, Angehörigen und Arbeitenden das höchste Ziel ist — und Gesundheit nicht länger als Ware behandelt wird.
Die gesundheitspolitische Debatte ist bislang von fachpolitischer Enge und kurzfristigen Reformkompromissen geprägt, die vor allem zwischen Partikularinteressen vermitteln. communia setzt dem einen anderen Ausgangspunkt entgegen — eine Gesundheitsversorgung, die von denen gestaltet wird, die sie brauchen, tragen und kennen: Patient*innen, Pflegekräfte, Ärzt*innen und Kommunen.
Dafür erarbeiten wir umfassende Analysen, wie die Vermarktlichung des Gesundheitssektors — vom Fallpauschalensystem über private Klinikkonzerne bis zu den Krankenkassen — strukturell neu gestaltet werden kann. Außerdem intensivieren wir unsere Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie dem Poliklinik Syndikat und unterstützen damit die Entwicklung erlebbarer und direkt übertragbarer Reallabore einer demokratischen Gesundheitsversorgung. Wir entwickeln Ansatzpunkte im Hier und Jetzt – in den dynamischen gewerkschaftlichen Bewegungen, den Kommunen und der breiteren politischen Debatte.
Aktuelle Studien und Veröffentlichungen
Konzeptpapier: Gemeingut Gesundheit
Das Konzeptpapier entwirft eine ambulante Gesundheitsversorgung, die sich am Gemeinwohl orientiert statt an Rendite. Kern sind Primärversorgungszentren (PVZ), die Allgemeinmedizin, Psychotherapie, Community Health Nursing und Sozialarbeit interprofessionell unter einem Dach verbinden, Stadtteilarbeit leisten und ihren Versorgungsauftrag partizipativ beforschen. Als Träger schlagen wir kommunale Anstalten öffentlichen Rechts „Gemeingut Gesundheit“ vor: formell in öffentlichem Eigentum, demokratisch verwaltet durch Beschäftigte, Patient*innen, Kommune und Öffentlichen Gesundheitsdienst – und damit strukturell gegen Reprivatisierung gesichert. Ein gemeinsames Papier von communia und dem Poliklinik Syndikat, Juli 2026.
Partner: Poliklinik Syndikat e. V.
Im Poliklinik Syndikat e. V. organisieren sich Projekte, die in ganz Deutschland solidarische, interprofessionell arbeitende Gesundheitszentren aufbauen und betreiben – darunter die Poliklinik Veddel in Hamburg und das Stadtteil-Gesundheitszentrum Neukölln in Berlin. Sie sind die Praxis, auf die sich „Gemeingut Gesundheit“ stützt: Erfahrungen aus mehreren Jahren interprofessioneller Versorgung, Community Organizing und partizipativer Bedarfserhebung im Stadtteil.
Wie sieht das konkret aus?
Abb. 1 – Strukturmodell eines Primärversorgungszentrums (PVZ). Allgemeinmedizin, Psychotherapie, Sozialarbeit und Community Health Nursing unter einem Dach, ergänzt um Community-Raum, Kinderbetreuung und aufsuchende Stadtteilarbeit.
Abb. 2 – Governance der AöR Gemeingut Gesundheit. Der Verwaltungsrat wird zu gleichen Teilen von Kommune, Öffentlichem Gesundheitsdienst, Gesamtrat der Beschäftigten, Gesamtrat der Patient*innen und der Gesundheitskonferenz besetzt.
Alles gehört allen gemeinsam.
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